Kaum steigen die Temperaturen, sitzen die Ringe enger, die Sandalen drücken und die Knöchel wirken am Abend voller als sonst. Gerade an heißen Tagen klagen viele Menschen über schwere, gespannte Beine. Das hat einen nachvollziehbaren Grund: Der Körper arbeitet bei Hitze auf Hochtouren, um seine Temperatur zu halten. Hier lesen Sie, was dabei passiert, und bekommen sieben Alltagstipps, mit denen Sie gut durch warme Tage kommen.
Warum Hitze die Beine schwer macht
Der Körper hält seine Kerntemperatur in einem engen Bereich um etwa 37 Grad. Wird es draußen warm, muss er überschüssige Wärme loswerden. Dafür hat er zwei wichtige Werkzeuge: Er schwitzt, und er weitet die Blutgefäße in der Haut. So fließt mehr warmes Blut nah an der Körperoberfläche entlang und kann dort Wärme abgeben.
Für die Beine hat das eine Kehrseite. In weiten Gefäßen fließt das Blut langsamer, und der Rückweg zum Herzen gegen die Schwerkraft wird mühsamer. Gleichzeitig tritt aus den feinen Gefäßen etwas mehr Flüssigkeit ins umliegende Gewebe über. Kommt dann noch langes Stehen, eine Reise oder ein Tag mit wenig Bewegung dazu, sammelt sich die Flüssigkeit bevorzugt dort, wo die Schwerkraft am stärksten wirkt: in Füßen, Knöcheln und Unterschenkeln.
Hinzu kommt der Flüssigkeitsverlust durch Schweiß. Wer bei Hitze zu wenig trinkt, bringt den Körper zusätzlich unter Stress.
7 Alltagstipps für warme Tage
1. Über den Tag verteilt trinken
Bei Hitze braucht der Körper mehr Flüssigkeit als sonst. Als Orientierung nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung für Erwachsene rund 1,5 Liter Getränke pro Tag, bei hohen Temperaturen oder körperlicher Aktivität entsprechend mehr. Am besten trinken Sie regelmäßig kleinere Mengen, statt abends große Mengen nachzuholen. Wasser, ungesüßte Tees und stark verdünnte Saftschorlen sind gut geeignet. Eine gefüllte Wasserflasche in Sichtweite erinnert ganz nebenbei ans Trinken.
2. Beine kühl halten
Ein kühler Wasserguss über Füße und Unterschenkel erfrischt und wird an heißen Tagen von vielen als angenehm empfunden. Beginnen Sie am rechten Fuß, führen Sie den Wasserstrahl langsam bis zum Knie und auf der Rückseite wieder hinunter, dann das andere Bein. Auch ein kurzes Fußbad in kühlem Wasser am Abend kann guttun. Eiskaltes Wasser ist dabei nicht nötig, angenehm kühl reicht.
3. Mittagshitze meiden, in Bewegung bleiben
Bewegung bringt die Wadenmuskelpumpe in Gang, die das Blut aus den Beinen Richtung Herz schiebt. Verlegen Sie Spaziergänge, Radtouren oder Gartenarbeit an heißen Tagen in die kühleren Morgen- oder Abendstunden. Schwimmen ist im Sommer eine besonders angenehme Wahl, denn das Wasser kühlt und der Wasserdruck wirkt sanft auf die Beine.
4. Salz und Fertiggerichte im Blick behalten
Grillwürste, Chips, salzige Snacks und Fertigsalate sind im Sommer beliebt, enthalten aber oft viel Kochsalz. Salz bindet Wasser im Körper. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, nicht mehr als 6 Gramm Speisesalz pro Tag aufzunehmen. Frisches Gemüse, Obst wie Melone oder Beeren und mit Kräutern gewürzte Gerichte sind eine leichte und erfrischende Alternative.
5. Leichte Kleidung und luftige Schuhe
Enge Hosen, einschnürende Sockenbündchen und Schuhe, die am Abend drücken, verstärken das Gefühl voller Beine. Luftige Stoffe wie Leinen oder Baumwolle, weite Schnitte und flache, gut sitzende Schuhe lassen Fuß und Wade arbeiten. Sehr flache Flip-Flops ohne Halt sind dagegen auf Dauer weniger ideal, weil der Fuß beim Gehen verkrampft.
6. Pausen mit hochgelegten Beinen
Legen Sie die Beine am Nachmittag oder Abend für 15 bis 20 Minuten hoch, idealerweise etwas über Herzhöhe. Ein Kissen unter den Unterschenkeln reicht schon. Viele Menschen empfinden das nach einem langen, warmen Tag als echte Wohltat. Auch nachts kann eine leicht erhöhte Lage der Füße angenehm sein.
7. Auf Reisen vorsorgen
Lange Autofahrten, Flüge oder Bahnreisen in den Urlaub bedeuten oft stundenlanges Sitzen bei warmen Temperaturen. Planen Sie bei Autofahrten regelmäßige Pausen ein und gehen Sie ein paar Schritte. Im Flugzeug oder Zug helfen Fußkreisen und Wippen auf den Zehenspitzen, die Waden zu aktivieren. Trinken Sie auch unterwegs ausreichend. Kompressionsstrümpfe können für manche Menschen auf längeren Reisen eine Option sein. Welche Ausführung passt, klären Sie am besten im Sanitätshaus oder in der Arztpraxis.
Was im Sommer eher keine gute Idee ist
- Weniger trinken, um Wasser zu sparen: Der Körper braucht bei Hitze mehr Flüssigkeit, nicht weniger.
- Lange Sonnenbäder im Liegen mit herabhängenden Beinen: etwa auf dem Liegestuhl am Beckenrand. Besser zwischendurch aufstehen oder ins Wasser gehen.
- Sehr heiße Bäder und lange Saunagänge an warmen Tagen: Sie weiten die Gefäße zusätzlich.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Etwas vollere Knöchel nach einem heißen Tag, die sich über Nacht wieder zurückbilden, sind häufig harmlos. Lassen Sie Beschwerden ärztlich abklären, wenn:
- eine Schwellung plötzlich auftritt oder nur ein Bein betrifft,
- Schmerzen, Rötung oder Überwärmung hinzukommen,
- Schwellungen über Nacht nicht zurückgehen oder zunehmen,
- Sie schwanger sind oder neue Medikamente einnehmen und Schwellungen bemerken.
Bei Atemnot, Druck auf der Brust oder starkem Schwindel wählen Sie sofort den Notruf 112.
Fazit
Volle, schwere Beine an heißen Tagen sind vor allem eine Folge davon, dass der Körper Wärme abgeben muss. Regelmäßig trinken, kühlen, sich in den kühleren Stunden bewegen, Salz im Blick behalten und die Beine öfter hochlegen: Mit diesen einfachen Gewohnheiten kommen Sie entspannter durch den Sommer.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Bei anhaltenden oder ungewöhnlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt.